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CAFM: Asset Management

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Zielbild eines CAFM-Soll-Systems für strukturiertes Asset Management

Asset Management für ein CAFM-System

Für ein Betreiberunternehmen mit mehreren Standorten muss ein CAFM-System das Asset Management als durchgängigen Lebenszyklusprozess abbilden: von Liegenschaften und Bauwerken über technische Anlagen bis hin zu Zustandsbewertung, Instandhaltung, Investitionsplanung, Budgetsteuerung und belastbarem Reporting. Die fachliche Leitplanke dafür bilden die ISO-55000-Familie mit ihrem Fokus auf Wertrealisierung über den Lebenszyklus, ein belastbares Asset-Management-System und die Abstimmung finanzieller sowie nichtfinanzieller Funktionen.

Aus Beschaffungssicht ist der Kern nicht „möglichst viele Module“, sondern ein belastbares Betriebsmodell: einheitliche Stammdaten, saubere Asset-Hierarchien, mobile und offline-fähige Zustands- und Wartungsprozesse, ein mehrjähriger CAPEX/OPEX-Planungsprozess, rollenbasierte Freigaben, revisionsfähige Dokumentation sowie optionale Schnittstellen zu ERP, Finanzwesen, GIS, BIM/CDE und IoT. Wir sehen, dass marktgängige CAFM-/IWMS-Plattformen diese Funktionsfamilien heute grundsätzlich abdecken

Die wichtigste fachliche Entscheidung im Lastenheft ist die Rollenverteilung zwischen CAFM und ERP. Aus ISO/TS 55010 sowie den Rechnungslegungsvorgaben nach HGB und IAS 16 folgt sinnvollerweise: Das CAFM führt die technischen, räumlichen und zustandsbezogenen Primärdaten sowie Maßnahmen- und Bedarfsinformationen; verbindliche Buchungen, Hauptbuch, Kreditorik und die führende Abschreibungslogik bleiben im ERP, sofern nicht ausdrücklich anders beauftragt. Das reduziert Doppelerfassung, stärkt Governance und macht CAPEX/OPEX-Planung anschlussfähig an die Finanzfunktion.

CAFM Asset Management effizient steuern

Normen, Richtlinien und Rechtsquellen

Themenfeld

Relevante Leitquelle

Bedeutung für das Lastenheft

Asset-Management-System

ISO 55000:2024, ISO 55001:2024, ISO 55002, ISO/TS 55010:2024 [6]

Wertorientierung, Systematik, Governance, Verbindung von Technik und Finanzen

CAFM-Einführung und Daten

GEFMA 420, 430, 410, 480, 444

Einführungsvorgehen, Datenmodell, Schnittstellen, Standardisierung, Qualitätsmaßstab

Instandhaltungsgrundlagen

DIN EN 13306, DIN 31051, DIN EN 16646, DIN EN 17485, DIN EN 15341

Begriffe, Instandhaltungsarten, Lebenszyklus, KPIs

Zustandserfassung

DIN CEN/TS 17385

Methodische Grundlage für Zustandsbewertungen von Bauwerken

Betreiberpflichten und Regelnachführung

VDI 3810, GEFMA 310, GEFMA 900, BetrSichV, ArbStättV, GEG

Betreiberverantwortung, Prüffristen, Arbeitsstätten, Energiepflichten

Kosten, Bewertung, Abschreibung

DIN 276, DIN 18960, HGB § 253/255, IAS 16

CAPEX/OPEX-Gliederung, Nutzungskosten, Bewertung, Abschreibung

BIM und Betriebsphase

DIN EN ISO 19650-3, IFC als ISO 16739-1:2024, buildingSMART FM Handover

Informationsmanagement in der Betriebsphase, offener Datenaustausch

GIS und offene Geodaten

OGC Standards, GeoPackage

Austauschbarer GIS-Betrieb ohne proprietären Lock-in

Datenschutz und Cybersecurity

DSGVO Art. 32, BSI IT-Grundschutz, NIS2-Rahmen

Sicherheitsniveau, Protokollierung, organisatorische und technische Maßnahmen

Konsequenz für das Lastenheft

Die Kombination aus ISO 55000/55001, GEFMA 430/480 und DIN/VDI-Regelwerken führt zu einer klaren Ausschreibungslogik: Gefordert wird kein „starrer Datenfriedhof“, sondern ein steuerbares Betriebs- und Investitionssystem mit belastbarer Datenqualität, nachvollziehbaren Entscheidungen und standardisierten Übergaben zwischen Technik, FM, Real Estate, Einkauf und Finance. FM-Connect.com betont die Datenbasis explizit als tragende Säule eines CAFM-Systems; ISO/TS 55010 ergänzt, dass technische und finanzielle Funktionen im Asset Management abgestimmt sein müssen.

Zielbild des Soll-Systems

Zielbild des CAFM-Soll-Systems für effizientes Asset Management

Das Soll-System ist eine gemeinsame Daten- und Prozessplattform für Liegenschaften, Flächen, Bauwerke, technische Anlagen, Maßnahmen, Budgets, Verträge, Dokumente und Nachweise. Diese Sicht entspricht sowohl den GEFMA-Anforderungen an standardisierte Datenstrukturen als auch marktgängigen CAFM-/IWMS-Domänen für Portfolio, Real Property, Enterprise Assets, Maintenance und Capital Budgeting.

Die Hierarchie muss räumliche, technische und kaufmännische Perspektiven gleichzeitig unterstützen. Offizielle Produkt- und Datenreferenzen zeigen dafür getrennte, aber verknüpfbare Stammdatensätze für Properties, Buildings/Structures, Parcels und Equipment; buildingSMART ergänzt die offene, systemneutrale Semantik für Bauwerks- und Anlagendaten, und DIN EN ISO 19650-3 adressiert den Informationsprozess gerade für die Betriebsphase.

Einordnung der Funktionen in Pflicht und Option

Die folgende Tabelle priorisiert Funktionen aus Sicht eines Eigentümer-/Betreiberportfolios. Sie ist keine Marktübersicht, sondern eine Beschaffungsentscheidungsvorlage auf Basis der genannten Normen, Gesetze und marktüblichen Produktfähigkeiten.

Funktionsbereich

Einstufung

Liegenschafts-, Flurstücks-, Gebäude- und Bauwerksverwaltung

Pflicht

Technisches Assetregister mit Hierarchie, Kritikalität und Lebenszyklusdaten

Pflicht

Korrektive und präventive Instandhaltung inkl. SLA/Workflows

Pflicht

Mobile Inspektionen, Fotodokumentation, Offline-Betrieb

Pflicht

Zustandsbewertung für Bauwerke und technische Anlagen

Pflicht

Mehrjährige Investitions- und Erhaltungsplanung mit CAPEX/OPEX

Pflicht

Budgetierung, Forecast, Szenariovergleich, Freigaben

Pflicht

Reporting, KPI-Framework, Dashboards, Portfolio-Sicht

Pflicht

GIS-Integration und grafische Grundriss-/Planintegration

Kann

BIM/IFC-Unterstützung für Import, Visualisierung, Verknüpfung

Kann

Dokumentenmanagement, Audit Trail, Compliance-Nachweise

Pflicht

Lieferanten-, Vertrags- und Beschaffungsmanagement

Pflicht

IoT-Anbindung und zustandsbasierte Trigger

Soll

Prädiktive Analytik, RUL, KI-gestützte Empfehlungen

Soll

Semantischer Digital Twin mit 3D-orientierter Betriebsführung

Kann

Vollständige ERP-Ersetzung für Buchhaltung/Kreditorik/GL

Nicht Ziel des Kernsystems

Liegenschaften, Bauwerke und Stammdaten

Für ein owner-operated Portfolio muss das CAFM Liegenschaften, Flurstücke, Gebäude und sonstige Bauwerke als eigenständige Objekttypen führen. Öffentliche Referenzmodelle aus dem Markt trennen ausdrücklich Properties, Buildings, Structures und Parcels, verknüpfen diese aber über Portfolio, Geografie, Eigentums-/Nutzungsstatus und Kostenbezüge.

Mindestanforderungen für das Lastenheft

ID

Anforderung

LG-01

Das System muss Liegenschaften, Flurstücke, Gebäude und sonstige Bauwerke als separate, hierarchisch verknüpfte Stammdatensätze führen.

LG-02

Das System muss je Objekt Eigentums-/Nutzungsstatus, Portfoliozuordnung, Standortbezug, Geo-Koordinaten und Aktiv-/Historienstatus speichern.

LG-03

Das System muss Flächenkennzahlen auf Liegenschafts-, Gebäude-, Geschoss- und Raumebene verwalten und revisionssicher versionieren können.

LG-04

Das System muss geobasierte Kartenansichten für Portfolioobjekte bereitstellen.

LG-05

Das System muss Objektinformationen sowohl tabellarisch als auch grafisch über Karten und Grundrisse bereitstellen.

LG-06

Das System sollte Flurstücks-/Parzelleninformationen sowie grundstücksbezogene Steuern und sonstige wiederkehrende Standortkosten verwalten können.

Die Datenfelder für Properties und Buildings müssen nicht nur fachlich plausibel, sondern auch maschinenlesbar und integrationsfähig sein. Das System dokumentiert hierfür umfangreiche Field References für Properties, Buildings und Equipment; gleichzeitig zeigen Portfolio- und Real-Property-Funktionen, dass geographische Felder, Statusfelder, Wertfelder und Flächenfelder im späteren Reporting direkt wirksam werden.

Mindestdatenfelder für Asset Records

Objekttyp

Mussfelder

Liegenschaft

Objekt-ID, Name, Portfolio, Rechtsstatus, Eigentumsform, Adresse, Land/Bundesland/Stadt, Geo-Koordinaten, Flurstücksbezug, Aktivstatus, Kostenstelle/Profit-Center

Gebäude

Gebäude-ID, Liegenschaft, Nutzungstyp, Baujahr, Brutto-/Netto-/Nutzfläche, Status, Zustandsklasse, Wiederbeschaffungswert, Buchwert, Datum Wertermittlung, Energie-/Compliance-Bezug

Bauwerk

Bauwerks-ID, Liegenschaft, Bauwerkstyp, Baujahr, Standort/Koordinaten, Zustandsklasse, Wiederbeschaffungswert, Inspektionszyklus, Sicherheits-/Compliance-Klasse

Technisches Asset

Asset-ID, Parent-System, Standort, Anlagentyp/Klasse, Hersteller, Modell, Seriennummer, Inbetriebnahme, Gewährleistung, Kritikalität, Wartungsstrategie, Zustandswert, Restnutzungsdauer, Ersatzwert, Barcode/QR/RFID

Zustandsbewertung

Bewertungs-ID, Bewertungsdatum, Objektbezug, Methode, Bewerter, Score/Klasse, Mangelbild, Foto/Anhang, Risikostufe, geschätzte Kosten, Dringlichkeit, Regelwerksbezug

Maßnahme/Investition

Maßnahmen-ID, Bezug zu Objekt/Asset, CAPEX/OPEX-Kennung, Jahr, Betrag, Priorität, Szenario, Erwartungswert auf FCI/Risiko/Energie, Freigabestatus, Finanzierungsquelle

Auftrag/Work Order

Auftrags-ID, Asset/Objekt, Meldung, Priorität, SLA, Plan-/Ist-Zeiten, Plan-/Ist-Kosten, Ausfallzeit, Ursache, Nachweis, Abschlussdatum

Technische Assets, Zustand und Lebenszyklus

Die technische Assetseite des Lastenhefts muss sich an Asset-Management- und Instandhaltungsnormen orientieren, nicht nur an klassischen FM-Prozessen. DIN EN 16646 und DIN EN 17485 verorten Instandhaltung ausdrücklich im physischen Asset Management und über den gesamten Lebenszyklus; DIN CEN/TS 17385 ergänzt die methodische Seite der Zustandserfassung von Bauwerken. Herstellerreferenzen zeigen darüber hinaus, dass Zustands- und Lebenszyklusmetriken heute bis auf Asset-Ebene mit Replacement Planning, Book Value, RUL oder FCI/MRR verknüpft werden können.

Mindestanforderungen für das Lastenheft

ID

Anforderung

TA-01

Das System muss technische Assets hierarchisch vom Standort bis zur Komponente abbilden können.

TA-02

Das System muss Asset-Klassen, Asset-Familien, Standards und Herstellerdaten verwalten können.

TA-03

Das System muss je Asset Kritikalität, Risiko, Lebensdauer, Zustand, Restnutzungsdauer und Ersatzwert führen.

TA-04

Das System muss Zustandsbewertungen für Gebäude/Bauwerke und technische Assets getrennt, aber vergleichbar abbilden können.

TA-05

Das System muss Maßnahmen aus Zustandsbewertungen automatisch in Instandhaltungs- oder Investitionslisten übernehmen können.

TA-06

Das System muss Reparatur-/Erneuerungsentscheidungen mit Historie, Kosten und Risiko begründen können.

TA-07

Das System sollte rule-based oder analytisch gestützte Kennzahlen wie FCI, RUL oder Maintenance-to-Replacement-Ratio unterstützen.

Für Bewertung und Abschreibung ist eine saubere Trennung der Verantwortlichkeiten entscheidend. HGB § 253/255 und IAS 16 regeln Bewertung und Abschreibung von Sachanlagen; CAFM-Systeme können dazu Eingangsgrößen und Sichtwerte wie Anschaffungsdaten, Nutzungsdauer, Restwert, Buchwert, Marktwert und Bewertungsdatum führen. Die führende Verbuchung bleibt aber zweckmäßigerweise beim ERP, während das CAFM die technische Bewertung und den Asset-Kontext liefert.

Instandhaltung, mobile Prozesse und Work Order Management

Marktgängige CAFM-Systeme unterstützen heute den vollständigen Instandhaltungsfluss von der Meldung über Genehmigung, Disposition, Ausführung und Rückmeldung bis zur Auswertung. Archibus dokumentiert hierfür Corrective Maintenance, Preventive Maintenance, Maintenance Console, SLAs und mobile Checklisten; mobile Produkte unterstützen Auftragsbearbeitung, Fotos, Offline-Betrieb und Echtzeitsynchronisation. CAFM-Syteme ergänzen zustands- und lebensdauergestützte Indikatoren für vorbeugende und ersatzorientierte Entscheidungen.

Mindestanforderungen für das Lastenheft

ID

Anforderung

IH-01

Das System muss Service Requests, Arbeitsaufträge und Sammelaufträge mit Statusmodell und SLA-Unterstützung verwalten.

IH-02

Das System muss geplante und korrektive Wartung unterscheiden und auslösen können.

IH-03

Das System muss zeitbasierte und zähler-/meterbasierte präventive Maßnahmen unterstützen.

IH-04

Das System muss mobile Bearbeitung von Aufträgen inklusive Foto, Checkliste und Offline-Sync unterstützen.

IH-05

Das System muss je Arbeitsauftrag Personal-, Teile-, Werkzeug-, Fremdleistungs- und Nebenkosten erfassen können.

IH-06

Das System muss Wiederholfehler, Ursachencodes, Ausfallzeiten und Wiederholungsraten auswertbar machen.

IH-07

Das System sollte Sensordaten oder Health-Scores für zustandsbasierte oder prädiktive Maßnahmen verarbeiten können.

Ein mobiles Prüf- und Auftragsmodell ist für Multi-Site-Betrieb fachlich keine Kür mehr. Herstellerdokumentationen zeigen, dass mobile Client-Funktionen heute Echtzeit-Updates, Offline-Arbeiten, Fotos, Barcode-Scanning und Vor-Ort-Zustandsbewertungen unterstützen; das Lastenheft sollte diese Fähigkeiten deshalb nicht als allgemeine „Mobile-App“-Anforderung formulieren, sondern als testbare End-to-End-Prozesse.

Investitionsbedarf, Investitionsplanung und Erhaltungsaufwände

Der zentrale Mehrwert eines owner-operated Asset-Management-Systems liegt nicht im Ticketing, sondern in der Umwandlung von Zustands-, Risiko- und Kostendaten in priorisierte Maßnahmen- und Investitionsprogramme. Herstellerdokumentationen zu Capital Budgeting, Condition Assessment, FCI-Szenarien und Strategic Financial Analysis zeigen, dass marktgängige Systeme mehrjährige Programme, Projekt-/Maßnahmenhierarchien, Forecasts und alternative Szenarien unterstützen; ISO/TS 55010 fordert zusätzlich die Verbindung von technischer und finanzieller Sicht.

Mindestanforderungen für das Lastenheft

ID

Anforderung

IP-01

Das System muss Investitionsbedarfe aus Zustandsbewertungen, Regelwerksanforderungen, Lebensdauerende und strategischen Entscheidungen ableiten können.

IP-02

Das System muss Maßnahmen mehrjährig planen und Programmen, Projekten und Budgets zuordnen können.

IP-03

Das System muss CAPEX und OPEX getrennt führen, aber gemeinsam auswerten können.

IP-04

Das System muss Szenarien vergleichen können, insbesondere „sofort erneuern“, „aufschieben“, „reparieren“, „ersetzen“, „konsolidieren“ und „veräußern/außer Betrieb nehmen“.

IP-05

Das System muss Budget, Forecast, Reforecast und Ist-Kosten je Portfolio, Standort, Objekt und Maßnahme ausweisen können.

IP-06

Das System muss Freigabeworkflows für technische Prüfung, kaufmännische Prüfung und Budgetfreigabe unterstützen.

IP-07

Das System sollte Effekte auf Zustand, Risiko, Energie, Compliance und Buchwert transparent machen.

Reporting, KPIs, Dashboards und Steuerung

Für das Berichtswesen sollte das Lastenheft nicht nur „Standardreports“ verlangen, sondern ein KPI-Framework, das DIN EN 15341-fähig ist und Portfolio-, Objekt-, System- und Assetebene miteinander verbindet. Öffentliche Herstellerreferenzen zeigen bereits heute Portfolio-Dashboards, Performance-Metrics-Frameworks, FCI-/TCO-Metriken, Health-Scores und MRR-Kennzahlen; daraus lässt sich ein guter, normnaher KPI-Kern ableiten.

KPI

Zweck

FCI je Portfolio / Standort / Gebäude / Bauwerk

Maßnahmenstau im Verhältnis zum Ersatzwert

MRR je Assetklasse

Reparatur- versus Erneuerungstendenz

Anteil präventiver zu korrektiver Aufträge

Reifegrad der Instandhaltung

SLA-Erfüllungsquote

Servicequalität und Resilienz

Budgetabweichung CAPEX/OPEX

Finanzsteuerung

Forecast Accuracy

Qualität der Planung

Maßnahmenstau nach Kritikalität

Risikosteuerung

Restnutzungsdauer nach Assetfamilie

Erneuerungswellen und Investitionsbedarf

Compliance-Quote Prüf-/Wartungsfristen

Betreiberverantwortung

TCO je Gebäude/Arbeitsplatz/Quadratmeter

Portfoliosteuerung und Wirtschaftlichkeit

Das Dashboard-Set sollte mindestens drei Sichten bieten: eine Vorstands-/Portfolio-Sicht, eine Objekt-/Standort-Sicht und eine operative Anlagen-/Auftrags-Sicht. Relevante Marktbeispiele zeigen dafür Global Portfolio Dashboards, geobezogene Karten, Asset Scorecards, Finanzanalysen und KPI-Farbsteuerungen. [29]

Beschaffung, Verträge, Lieferanten und Dokumente

Beschaffung und Vertragssteuerung gehören in einem owner-operated Szenario in den Scope, sobald Investitions- und Erhaltungsmaßnahmen systemisch gesteuert werden sollen. Öffentliche Archibus- und Planon-/Eptura-Dokumentationen zeigen dafür Prozesse für Vergabe, Bietervergleich, Vertragsabschluss, Rechnungs- und Zahlungsbezug, Vendor Assignment, Lieferantenhistorie und zentrale Vertragsregister.

Mindestanforderungen für das Lastenheft

ID

Anforderung

EV-01

Das System muss Lieferanten, Dienstleister und Rahmenverträge verwalten können.

EV-02

Das System muss Maßnahmen und Aufträge Verträgen, Leistungskatalogen und Lieferanten zuordnen können.

EV-03

Das System muss Angebotsvergleich, Vergabeentscheidung und Freigabehistorie nachvollziehbar abbilden können.

EV-04

Das System muss Rechnungs- und Zahlungsinformationen mindestens referenzieren und an ERP/Procurement-Systeme anbinden können.

EV-05

Das System muss vertrags- und assetbezogene Dokumente versioniert verknüpfen können.

EV-06

Das System muss Leistungs- und Termintreue von Dienstleistern auswertbar machen.

Für Dokumente ist ein reines Dateianhang-Modell nicht ausreichend. Marktgängige Systeme verknüpfen Dokumente lebenszyklusweit mit Objektarten, PM-Prozeduren, Work Requests, Projekten und Verträgen und stellen Audit Trails sowie Versionsbezüge bereit. Das Lastenheft sollte deshalb explizit Versionierung, Referenzierung, Zugriff nach Rolle und revisionssichere Änderungsnachweise fordern.

Sicherheit, Rollen und Mandantierung

Datenschutz und Informationssicherheit sind für ein CAFM-System nicht nur wegen Personendaten relevant, sondern auch wegen Standort-, Zutritts-, Vertrags-, Sicherheits- und Betriebsdaten. DSGVO Art. 32 verlangt angemessene technische und organisatorische Maßnahmen; BSI empfiehlt Zwei-Faktor-Authentisierung ausdrücklich als Muss für wirksamen Schutz; NIS2 verschärft die Erwartung an Cyber-Risikomanagement in betroffenen Sektoren.

Im Rollenmodell muss das Lastenheft sowohl funktionale Rollen als auch Datenräume abbilden. Archibus dokumentiert hierfür User Roles, hierarchische Security und VPA-Gruppen für segmentierten Datenzugriff; Herstellerplattformen wie Planon und IBM zeigen ebenfalls konfigurierbare Authorisations- und Security-Group-Modelle. Für ein Multi-Site-Portfolio folgt daraus zwingend: rollenbasierte Rechte plus standort-/regionenbezogene Row-Level-Security.

Rolle

Kernrechte

Portfolio Manager

Portfoliokennzahlen, Szenarien, Budgetpriorisierung, Objektfreigaben

Immobilienmanager

Liegenschaften, Gebäude/Bauwerke, Flächen, Verträge, Objektberichte

Asset Manager

Technische Assets, Standards, Lebenszyklus, Zustandsprogramme

Technischer Leiter

Wartungsstrategien, Ressourcen, SLA, Regelwerksnachweise

Projektmanager CAPEX

Maßnahmen, Programme, Termine, Vergabe, Budgetüberwachung

Controller

Budget, Forecast, CAPEX/OPEX-Reports, Kostenabstimmung mit ERP

Einkauf

Lieferanten, Ausschreibungen, Verträge, Bestell-/Rechnungsreferenzen

Dienstleister

Nur zugewiesene Objekte/Aufträge, mobile Rückmeldungen, Dokumente

Auditor/Revision

Lesender Zugriff auf Historie, Freigaben, Protokolle und Nachweise

Systemadministrator

Konfiguration, Rollen, Datenpflegewerkzeuge, Integrationen

Nichtfunktionale Muss-Anforderungen

ID

Anforderung

NF-01

Das System muss SSO mit OIDC/SAML und MFA-fähige Authentisierung unterstützen.

NF-02

Das System muss rollenbasierte Rechte auf Funktionsebene und Row-Level-Security auf Datenebene unterstützen.

NF-03

Das System muss einen unveränderbaren Audit Trail für Stammdaten-, Status-, Freigabe- und Schnittstellenänderungen bereitstellen.

NF-04

Das System muss personenbezogene Daten minimieren, protokolliert verarbeiten und datenschutzgerecht löschen/anonymisieren können.

NF-05

Das System muss Transport- und Ruhedaten verschlüsseln sowie revisionsfähige Logdaten exportieren können.

NF-06

Das System muss mandanten- und standortfähig sein, ohne parallele Datenbanken je Standort zu erzwingen.

Performance, Skalierung und Bedienbarkeit

Für ein verteiltes Portfolio darf Performance nicht als allgemeine „gute Benutzerfreundlichkeit“ beschrieben werden. Das Lastenheft soll stattdessen konkrete Abnahmeschwellen gegen das Referenzsizing definieren. Mobile und Web-Clients moderner CAFM-Systeme adressieren hohe Datenvolumina, Offline-Fälle und schnelle Such-/Filterfunktionen bereits heute; zugleich zeigen Herstellerdokumentationen, dass Standardkonfiguration statt tiefer Individualentwicklung die Wartbarkeit und das TCO verbessert.

Empfohlene Abnahmeschwellen auf Basis des Referenzsizings

ID

Anforderung

NF-07

Standard-Suchvorgänge nach Asset, Gebäude oder Auftrag dürfen bei 120 gleichzeitigen Nutzern im Median 3 Sekunden nicht überschreiten.

NF-08

Dashboard- und Kartenansichten dürfen im Median 5 Sekunden nicht überschreiten.

NF-09

Mobile Synchronisation von 100 offline erfassten Prüfungen muss nach Wiederverbindung innerhalb von 2 Minuten abgeschlossen sein.

NF-10

Importläufe müssen referenzielle Integrität vollständig prüfen und verständliche Fehlerprotokolle erzeugen.

NF-11

UI und mobile App müssen de-DE vollständig unterstützen, einschließlich Datums-, Zahlen-, Währungs- und Zeichensatzlokalisierung.

NF-12

Für öffentliche Auftraggeber oder bei internen Accessibility-Vorgaben sollte die Lösung an EN 301 549 ausrichtbar sein.

Mehrsprachigkeit ist für Multi-Site-Betrieb nicht nur Komfort, sondern Governance-Thema. Herstellerdokumentationen belegen mehrsprachige Oberflächen, lokalisierte Formate und mehrsprachige mobile Clients; das Lastenheft sollte deshalb de-DE als Pflichtlokalisierung und weitere Sprachen als aktivierbare Option definieren.

GIS, Grundrisse, BIM und offene Schnittstellen

Räumliche Transparenz ist heute ein Kernelement des Asset Managements. Für das Lastenheft bedeutet das: Karten und Pläne sind keine optionalen Viewer, sondern fachliche Bedienoberflächen.

Für BIM sollte optional ein offenes Referenzmodell gefordert werden. buildingSMART beschreibt IFC als offenen, herstellerneutralen Standard des gebauten Umfelds; DIN EN ISO 19650-3 adressiert das Informationsmanagement in der Betriebsphase. Marktgängige Implementierungen visualisieren IFC, CAD und PDF und verbinden sie mit Assets, Räumen und Dokumenten. Damit sollte das Lastenheft mindestens IFC-Import/-Referenzierung, objektbezogene Verknüpfung und As-built-/Betriebshandover fordern.

Für APIs und Integrationen sind offene, versionierte und dokumentierte Schnittstellen Pflicht. Archibus bietet REST-APIs mit OAuth2-konformer Integration und CORS-Fähigkeit; IBM Maximo dokumentiert REST-APIs, Object Structures und Swagger/OAS3; Planon verweist auf REST-API-basierte Integrationen zu Drittprodukten und Property Technology. Für GIS-Daten sollten OGC-Standards wie GeoPackage oder moderne OGC APIs bevorzugt werden.

Schnittstellenmatrix

Zielsystem

Mindestanforderung

ERP/Finance

Stammdatenaustausch, Kostenstellen, Auftrags-/Projekt-IDs, Bestell-/Rechnungsreferenzen, Budget-/Ist-Kosten, Anlagen-/Abschreibungsbezug

Procurement

Lieferanten, Verträge, Bestellungen, Leistungsnachweise

IAM/HR

Benutzer, Rollen, Organisation, Standortzuordnung, SSO

GIS

Gebäudepunkte, Grundstücksflächen, native Geometrien, Kartenlayer

BIM/CDE

IFC-, CAD-, PDF-Referenzen; Objekt-IDs; As-built-Handover

IoT/BMS/Sensorik

Messpunkte, Alarme, Schwellwerte, Ereignisse, Zustandssignale

DMS

Dokumente, Versionen, Metadaten, Zugriffsrechte

BI/Analytics

Versionierte Exporte/Views für KPI, Forecast und Portfolioanalysen

Migrationsstrategie

FM-Connect.com adressiert die CAFM-Einführung ausdrücklich phasenbezogen, mit schrittweisem Aufbau der Datenbasis. Dokumentationen für Import- und Migrationsprozesse zeigen ebenfalls, dass Pilotierung, Testdatenbank, Schema-/Feldmapping, Validierung und Rückfallplanung zur guten Praxis gehören. Für ein Multi-Site-Portfolio ist deshalb eine datenqualitätsgetriebene Migration in Wellen dem Big-Bang vorzuziehen.

Schritt

Inhalt

Gate-Kriterium

Quellinventur

Systeme, Excel-Listen, CAD/BIM, DMS, ERP-Objekte, Sensorquellen erfassen

Vollständige Quellliste und Verantwortliche benannt

Zielmodell

Zielhierarchie, Pflichtfelder, Codes, Referenzwerte, Identifikatoren festlegen

Datenmodell freigegeben

Profiling

Dubletten, Lücken, Wertebereiche, Inkonsistenzen, fehlende Schlüssel analysieren

Datenqualitätsbericht je Quelle vorhanden

Bereinigung

Codes, Benennungen, Standortschlüssel, Asset-IDs, Datums- und Werteformate harmonisieren

Definierte Mindestqualität erreicht

Mapping

Feld- und Transformationsregeln, Crosswalk-Tabellen, Historienbehandlung dokumentieren

Mapping-Dokument freigegeben

Pilotmigration

Ein Standort/eine Welle komplett importieren und fachlich prüfen

Fachliche Abnahme Pilot

Dress Rehearsal

Gesamtprozess mit Produktivvolumen testweise durchspielen

Zeitplan, Performance und Rückfall geprüft

Cutover

Delta-Ladung, Sperrkonzept, Prioritätsobjekte, Hypercare

Produktivstart freigegeben

Change Management und Schulung

Das Lastenheft sollte rollenbezogene Schulungspfade, Multiplikatoren je Standort, verbindliche Stammdatenverantwortung und einen Hypercare-Zeitraum ausdrücklich verlangen.

Testkriterien und Abnahmetests

Die Abnahme darf nicht nur Funktionsklicks prüfen, sondern muss Datenqualität, Prozessende-zu-Ende, Sicherheit und Integrationen einschließen. Die folgenden Beispieltests sind unmittelbar als Abnahmeanlage verwendbar.

Testfall

Prüfschritt

Abnahmekriterium

Asset-Import

Import eines vollständigen technischen Assetbestands eines Pilotstandorts

100 % referenzielle Integrität; mindestens 99,5 % Datensätze fehlerfrei importiert

Hierarchie

Prüfung von Liegenschaft → Gebäude/Bauwerk → System → Asset

Keine verwaisten Objekte; alle Parent-/Child-Bezüge korrekt

Zustandsbewertung mobil

Offline-Erfassung mit Foto und Synchronisation

Bewertung, Fotos und Kostenansatz werden vollständig und nachvollziehbar synchronisiert

PM-Generierung

Zeit- und zählerbasierte PM-Maßnahme auslösen

Auftrag wird regelgerecht erzeugt, terminiert und assetbezogen zugeordnet

Work Order Workflow

Meldung → Genehmigung → Disposition → Abschluss

Statusfolge vollständig, SLA-Zeiten protokolliert, Audit Trail vorhanden

CAPEX-Szenario

Vergleich zweier Investitionsszenarien mit identischem Maßnahmenpool

Budget, Priorität und KPI-Wirkung sind je Szenario getrennt auswertbar

ERP-Sync

Übergabe von Kosten-/Projektbezug an ERP-Testsystem

Erfolgreicher Datenaustausch mit Fehlerprotokoll und Wiederanlauf

GIS/BIM

Anzeige eines Pilotgebäudes auf Karte und aus IFC/CAD/PDF-Kontext

Objekt ist in Karte und BIM/Plan identifizierbar und mit Stamm- und Auftragsdaten verknüpft

Rollenmodell

Vergleich Zugriff Auditor, Dienstleister, Asset Manager

Rollen sehen exakt ihre freigegebenen Daten und Funktionen

Audit Trail

Änderung an Assetkritikalität und Budgetfreigabe

Ändernde Person, Zeitpunkt, Alt-/Neuwert und Prozessschritt sind nachvollziehbar

Lokalisierung

UI de-DE, Datums-/Zahlen-/Währungsformat

Vollständige de-DE-Darstellung in Web und Mobile

Performance

50 Suchanfragen und 10 Dashboardaufrufe unter Last

definierte Schwellen NF-07 bis NF-09 werden eingehalten

Beispielhafte User Stories

Rolle

User Story

Akzeptanzhinweis

Portfolio Manager

Als Portfolio Manager möchte ich Investitionsszenarien über alle Standorte vergleichen, damit ich Budgets wert- und risikobasiert priorisieren kann.

Szenarien zeigen Budget, FCI, Risiko und Maßnahmenstau je Portfolio und Standort.

Immobilienmanager

Als Immobilienmanager möchte ich Liegenschaften, Gebäude und Bauwerke auf Karten und in Kennzahlen sehen, damit ich Bestände nach Region, Status und Kosten steuern kann.

Karten- und Dashboard-Sichten filtern konsistent nach Region, Standort und Objektstatus.

Asset Manager

Als Asset Manager möchte ich für jedes technische Asset Kritikalität, Zustand, Restnutzungsdauer und Historie sehen, damit ich Reparatur oder Ersatz fachlich begründen kann.

Ein Assetprofil bündelt Stamm-, Zustands-, Kosten- und Auftragsdaten.

Techniker

Als Techniker möchte ich Aufträge offline auf dem Mobilgerät bearbeiten und mit Fotos abschließen, damit ich ohne Medienbruch dokumentieren kann.

Offline erfasste Daten synchronisieren vollständig nach Wiederverbindung.

Controller

Als Controller möchte ich CAPEX/OPEX je Standort und Maßnahmenprogramm gegen Budget und Forecast auswerten, damit ich Reforecast und Mittelabfluss steuern kann.

Reports zeigen Plan, Forecast, Ist und Abweichung in einer Sicht.

Auditor

Als Auditor möchte ich jede Freigabe- und Stammdatenänderung nachvollziehen können, damit die Betreiber- und Revisionsanforderungen erfüllt sind.

Audit Trail exportierbar, filterbar und objektbezogen verfügbar.

Priorisierter Backlog

Priorität

Eintrag

MUST

Einheitliches Stammdatenmodell für Liegenschaften, Bauwerke, Räume, Systeme und Assets

MUST

Multi-Site-Rollenmodell mit Row-Level-Security

MUST

Korrektive und präventive Instandhaltung mit SLA und Mobilunterstützung

MUST

Zustandsbewertung für Bauwerke und technische Assets

MUST

Mehrjahresplanung für CAPEX/OPEX inklusive Freigabeworkflow

MUST

Standardisierte Reports, KPI-Framework und Portfoliodashboards

MUST

Schnittstellen zu ERP/Finance, GIS und DMS

CAN

BIM/IFC-Unterstützung mindestens für Referenzierung, Anzeige und Objektverknüpfung

MUST

Audit Trail, Dokumentenversionierung und Compliance-Nachweise

SHOULD

IoT-Anbindung für zustandsbasierte Trigger

SHOULD

Erweiterte Szenarioanalyse für Konsolidierung, Stilllegung und Veräußerung

SHOULD

RUL-/Health-/MRR-basierte Ersatzempfehlungen

SHOULD

Lieferantenbewertung und Vertragsfrist-Monitoring

SHOULD

Mehrsprachige Oberflächen über de-DE hinaus

WON'T

Ersatz des ERP als führendes Buchhaltungs- und Kreditoriksystem in Phase 1

WON'T

Individuelle Sonderprogrammierung ohne nachweisbaren geschäftlichen Nutzen vor Nutzung der Standardkonfiguration

WON'T

Vollumfängliche 3D-Digital-Twin-Initiativen ohne klaren FM-Nutzfall in Phase 1

WON'T

Punkt-zu-Punkt-Integrationen, wenn offene und versionierte Standard-APIs verfügbar sind

Anspruch für das Lastenheft

Als zusammenfassende Beschaffungsforderung sollte das Lastenheft den Bietern aufgeben, ein CAFM-System bereitzustellen, das ein wertorientiertes Asset Management für ein Multi-Site-Eigentümer-/Betreiberportfolio unterstützt, Liegenschaften, Bauwerke und technische Assets in einer gemeinsamen Daten- und Prozessplattform führt, Zustandsbewertung, Instandhaltung, Investitionsbedarf, mehrjährige Budgetierung und revisionsfähige Steuerung integriert und dies über optionale Schnittstellen zu ERP, GIS, BIM und IoT sowie über mobile, de-DE-lokalisierte Nutzeroberflächen nutzbar macht.