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Lastenheft SAP-CAFM-Integration

Facility Management: FM-Software » Strategie » SAP » Lastenheft

Lastenheft für SAP-gestützte CAFM-Prozesse und Systemanforderungen

Exemplarisches Lastenheft zur Integration einer On-Premises-CAFM-Software in eine ERP-Landschaft auf Basis von SAP S/4HANA oder SAP ERP

Dieses Lastenheft beschreibt die fachlichen, technischen, sicherheitsrelevanten und betrieblichen Anforderungen für die Integration einer nicht näher spezifizierten On-Premises-CAFM-Software in eine bestehende ERP-Landschaft. Da die genaue CAFM-Lösung, das ERP-Release und die aktivierten Module nicht bekannt sind, ist das Dokument bewusst variantenfähig aufgebaut. Es deckt sowohl eine heutige Business-Suite-/ECC-Landschaft als auch eine aktuelle on-premises-Landschaft auf Basis von S/4HANA ab. Diese Differenzierung ist sachlich erforderlich, weil die Wartungs- und Zukunftsperspektiven unterschiedlich sind: Für Business Suite 7 gilt Mainstream Maintenance bis Ende 2027 und optional Extended Maintenance bis Ende 2030; für S/4HANA 2023 gilt ein siebenjähriger Mainstream-Maintenance-Zeitraum je Release. Vergleichbar ist die Lage bei bestehenden PI/PO-Landschaften, deren Mainstream Maintenance 2027 endet; eine Verlängerung ist bis 2030 möglich.

CAFM-Lastenheft für SAP-ERP-Integration

Zielbild

Für das Zielbild wird eine lose gekoppelte Integrationsarchitektur empfohlen. Im Regelfall soll das ERP-System die führende Quelle für technische Objekte, Material-/Bestandsinformationen, Geschäftspartner, Kosten- und Buchungsbezüge sowie wartungsrelevante Vorgänge sein; das CAFM-System soll als führendes System für Flächen-, Raum-, Workplace- und FM-spezifische Nutzungsprozesse fungieren, sofern keine SAP-seitige RE-FX- oder EAM-Struktur die Golden-Record-Rolle übernimmt. Diese Trennung folgt sowohl den üblichen CAFM-Teilbereichen gemäß GEFMA444 als auch den in S/4HANA vorhandenen Geschäftsobjekten für Functional Location, Equipment, Maintenance Order, Business Partner, Material Document/Material Stock, Purchase Contract und Service Contract.

Technologieauswahl

Als präferierte Technologieauswahl gilt: released APIs und Standardobjekte vor kundeneigenen Punkt-zu-Punkt-Zugriffen; synchrone Kommunikation nur dort, wo ein echter Geschäftsvorfall eine unmittelbare Rückmeldung erfordert; asynchrone oder batch-orientierte Kommunikation für Massen-, Delta- und Abgleichprozesse. Für moderne Integrationsszenarien sind OData- und SOAP-APIs auf S/4HANA zu bevorzugen; für Bestandslandschaften und breit verfügbare Standardverteilung bleiben RFC/BAPI sowie IDoc/ALE relevant. Als Middleware kommen je nach Randbedingungen direkte On-Premises-Kopplung, SAP Process Orchestration, SAP Integration Suite mit Edge Integration Cell oder eine Drittplattform wie MuleSoft Anypoint Connector for SAP in Betracht. Cloud Integration kann Integrationsflüsse über Cloud-, On-Premises- und Hybrid-Landschaften ausführen; die Edge Integration Cell erlaubt die Verarbeitung in einer privaten Landschaft, und der SAP-Connector basiert auf SAP JCo und unterstützt RFC/BAPI- sowie IDoc-Szenarien.

Annahmen

Leitentscheidung

Empfehlung

Zielarchitektur

Lose gekoppelte service- und nachrichtenorientierte Integration mit kanonischem Datenmodell

Führende Systeme

ERP führend für technische Objekte, Material, Geschäftspartner, Kosten; CAFM führend für Räume/Flächen und FM-Nutzungslogik, falls keine RE-FX-Leitstruktur besteht

Bevorzugte Protokolle

OData/REST-nahe APIs und SOAP bei released APIs; IDoc/BAPI für stabile Standardverteilung; CSV/ETL nur für Initiallasten und Fallback

Transaktionsprinzip

Lokale Commit-Grenzen je System, keine verteilte 2PC über Systemgrenzen; Kompensation und Reprocessing statt globaler Transaktionen

Rollout

Wellenförmig nach Standort, Gebäudebereich oder Prozessdomäne; Big Bang nur bei geringer Komplexität

Monitoring

Anwendungsprotokoll, IDoc-Monitoring, Gateway-Logs, SAP Application Interface Framework sowie optional SAP Cloud ALM oder SAP Solution Manager

Zielbild und Annahmen

Der Projektgegenstand umfasst die Integration eines CAFM-Systems mit den fachlichen Domänen Flächen/Räume, technische Anlagen, Wartungsaufträge, Inventar/Material, Verträge, Nutzer und Berechtigungen. Das Lastenheft bezieht ausdrücklich auch deutsche Ausschreibungs- und Compliance-Rahmenbedingungen ein. Im CAFM-Umfeld sind Flächenmanagement, Instandhaltungsmanagement, Vertragsmanagement und Workplace Management etablierte Funktionsdomänen; zugleich stehen im ERP technische Standardobjekte und veröffentlichte Integrationsschnittstellen zur Verfügung, die für ein belastbares Sollbild vorrangig genutzt werden sollen.

Dimension

Variante A

Variante B

Variante C

Projektwirkung

ERP-Kernsystem

SAP ERP 6.0 / Business Suite 7

S/4HANA on-premise 2022/2023

S/4HANA on-premise 2025+

Bestimmt API-Verfügbarkeit, Zukunftssicherheit, Datenmodell und Wartungsstrategie

FM-relevante Module

PM, MM, FI, HCM

Asset Management, MM, FI, HCM, optional RE-FX

Asset Management, MM, FI, HCM, RE-FX, Service

Bestimmt, ob Räume, Verträge, Kosten und Nutzer standardnah oder kundeneigen abgebildet werden

CAFM-Bauart

Externe On-Premises-Anwendung

SAP-nahes Add-on / ABAP-integriert

Externe Anwendung mit Middleware

Bestimmt Kopplungstiefe, Upgrade-Risiko und Monitoring-Konzept

Middleware-Stand

Keine / direkte Kopplung

PI/PO vorhanden

Integration Suite / Edge / Drittmiddleware

Bestimmt Entkopplung, Routing, Mapping, Wiederanlauf und Governance

IAM/SSO

Lokales AD/LDAP

SAP SSO/SAML-Landschaft

Zentrales IdP mit Principal Propagation

Bestimmt AuthN/AuthZ, Rollenmapping und Benutzerlebenszyklus

Raummodell

CAFM führend

RE-FX führend

Technischer Platz/Z-Objekt führend

Bestimmt Golden Record für Gebäude-/Raumhierarchien

Vertragsmodell

CAFM führend

MM-Vertrag / Service Contract führend

RE-FX-Vertrag führend

Bestimmt Verteilung von kaufmännischer vs. FM-fachlicher Vertragslogik

Prüffeld der Ist-Analyse

Zu erhebende Information

Bedeutung für das Sollbild

CAFM-Produkt und Release

Hersteller, Version, On-Prem-Stack, Datenbank, API-Typen, Event-Fähigkeit, Import-/Exportformate

Legt Integrationsmuster, Mapping-Aufwand und Rechtekonzept fest

ERP-Release

ECC/EHP oder S/4HANA-Release, Supportstand, aktivierte Business Functions

Bestimmt verfügbare released APIs, Wartungshorizont und Standardobjekte

Modulbestand

EAM/PM, MM, FI/CO, HCM, RE-FX, DMS, Workflow, Fiori/Gateway

Bestimmt fachliche Führungsobjekte und Integrationsreichweite

Kundeneigene Erweiterungen

Z-Tabellen, Z-BAPIs, BAdIs, User Exits, kundeneigene IDocs, benutzerdefinierte Fiori-Services

Erhöht Analyse-, Test- und Upgrade-Aufwand

Identitätslandschaft

AD/LDAP, IdP, SAML, Kerberos, Zertifikats-PKI, PFCG-Rollenmodell

Bestimmt SSO- und Berechtigungsarchitektur

Datenqualität

Dubletten, fehlende technische Plätze, uneinheitliche Raumschlüssel, Material-/Seriennummernqualität, veraltete Benutzerkonten

Beeinflusst Migrationsstrategie und Abnahmekriterien

Betriebsmodell

24x7 vs. Bürozeit, DR-Standort, Backup/RPO, SIEM/SOC, vorhandenes Monitoring

Bestimmt SLAs, RTO/RPO und Betriebsorganisation

Nichtproduktionslandschaft

DEV, QAS, PREPROD, Schulung, anonymisierte Testdaten

Bestimmt Testkonzept, Rollout-Sicherheit und Rehearsals

In Scope

Out of Scope im Basisszenario

Stammdaten- und Bewegungsdatenintegration für die benannten Domänen

Vollständige Neugestaltung des ERP-Zielprozesses

Rollen- und Berechtigungskopplung

Vollständige ERP-Konversion nach S/4HANA

Monitoring, Logging, Fehlerbehandlung, Reprocessing

BIM-Gesamtintegration einschließlich IFC/CDE, sofern nicht separat beauftragt

Initialmigration, Delta-Ladeverfahren, Cutover und Backout

Mobile-App-Strategie jenseits der dafür erforderlichen Schnittstellen

Grobe Termin-, Aufwand-, Risiko- und SLA-Festlegung

Einführung eines unternehmensweiten MDM-Programms außerhalb der Projektgrenzen

Stakeholder / Rolle

Hauptverantwortung

Auftraggeber / Lenkungsausschuss

Freigaben, Budget, Zielkonfliktentscheidung, Scope-Entscheidung

FM-Leitung / CAFM-Product Owner

Fachliche Anforderungen für Flächen, Räume, Verträge, Serviceprozesse

Instandhaltung / EAM-Verantwortung

Referenzprozesse für technische Objekte, Wartungsaufträge, Rückmeldungen

Einkauf

Vertrags-, Material- und Beschaffungsbezug, MM-relevante Prozesse

Finanzen / Controlling

Kostenobjekte, Kontierung, Belegbezug, Revisions- und GoBD-Anforderungen

HR / IAM

Nutzerstammdaten, Organisationsstruktur, Berechtigungslebenszyklus

SAP Applikationsverantwortliche

Fachliches ERP-Customizing, released APIs, Regressionen

SAP Basis / Infrastruktur

Transportwesen, Zertifikate, Gateway, Performance, Backup, DR

Integrationsarchitekt / Middleware-Team

Schnittstellendesign, Message Routing, Fehlerkonzept

CAFM-Hersteller / Implementierungspartner

Produktnahe API- und Datenmodellkenntnis, Customizing, Support

Informationssicherheit / Datenschutz / Betriebsrat

Freigabe von Sicherheits- und personenbezogenen Verarbeitungsaspekten

Key User / Fachtester

Testfälle, UAT, Abnahmeempfehlung, Hypercare-Rückmeldung

Fachliches Soll-Modell

Das Soll-Modell basiert auf einem kanonischen Integrationsmodell mit klaren Objektidentitäten, Delta-Fähigkeit und belastbarer Objektführerschaft. Für technische Strukturen stehen im ERP die Standardobjekte Functional Location und Equipment zur Verfügung; Functional Locations repräsentieren den Ort der Instandhaltungstätigkeit, Equipment kann an Functional Locations installiert und wieder ausgebaut werden. Für Raummodelle existiert keine universell richtige Standardabbildung: Wenn RE-FX genutzt wird, sind architektonische Objekte wie Gebäude und Raum fachlich naheliegend; ohne RE-FX ist häufig ein Mapping auf Functional Location oder ein kundeneigenes Raumobjekt erforderlich. Für Personen und Benutzer sollte in S/4HANA der Business Partner als zentrales Objekt dienen; Business User und PFCG-Rollen bilden darauf auf. Für Verträge kommen — je nach Fachbedeutung — Purchase Contracts, Service Contracts oder RE-FX-Verträge in Betracht. Für Inventar- und Bestandsbezug stehen Material-, Stock-, Reservation- und Material-Document-APIs zur Verfügung.

Integrationsarchitektur und Schnittstellen

Die Integrationsarchitektur hat vier Aufgaben gleichzeitig zu erfüllen: fachliche Objektkonsistenz, technische Entkopplung, nachvollziehbares Fehlerhandling und Release-Fähigkeit. Dafür sind Standardmechanismen aus der ERP-Welt weiterhin relevant: IDoc/ALE für robuste asynchrone Verteilung, RFC/BAPI für synchrone Funktionsaufrufe, ABAP-Web-Services für SOAP-basierte Services sowie OData-APIs für moderne, veröffentlicht nutzbare Integrationen. Für S/4HANA gilt zusätzlich, dass zahlreiche APIs über den Business Accelerator Hub dokumentiert sind, darunter Functional Location, Equipment, Maintenance Order, Business Partner, Material Document, Material Stock, Purchase Contract und Service Contract. Das ältere Maintenance-Order-API wurde ab S/4HANA 2023 durch eine Nachfolgeversion ersetzt; bei Purchase Contracts wurde Version 1 durch Version 2 abgelöst.

Sicherheit und Compliance

Für Authentifizierung und Single Sign-On sind standardisierte Verfahren verbindlich vorzusehen. Im SAP-Umfeld werden Kerberos, X.509-Zertifikate und SAML 2.0 ausdrücklich als flexibler und sicherer als proprietäre Logon-Tickets empfohlen. Für GUI- und RFC-nahe Szenarien ist SNC zu berücksichtigen; SAP weist darauf hin, dass in einer Default-Konfiguration Benutzername und Passwort über die GUI-Anmeldung ohne SNC unverschlüsselt übertragen werden können. Für OData-/Gateway-Szenarien unterstützt SAP Gateway SAML Assertions, und ICF-Services können auf SSL-Clientzertifikate verpflichtend gestellt werden. In Hybrid-Szenarien kann Principal Propagation über Cloud Connector bzw. Connectivity Service die Nutzeridentität sicher an On-Premises-Systeme weiterreichen.

Sicherheitsanforderung

Lastenheft-Anforderung

Authentifizierung interaktiv

SAML 2.0 oder Kerberos/AD-basierte SSO-Integration; lokales Passwort-Login nur für Break-Glass-User

Authentifizierung System-zu-System

mTLS mit technischen Kommunikationsbenutzern oder Zertifikatsauthentifizierung; keine geteilten Dialogbenutzer

RFC-Sicherheit

RFC-Destinationen ausschließlich über definierte SM59-Ziele; bei sensitiven Verbindungen SNC aktiv

OData-/HTTP-Sicherheit

HTTPS verpflichtend; TLS gemäß aktueller BSI-Empfehlung; HSTS/Reverse-Proxy-Policies projektspezifisch zu prüfen

Zertifikatsmanagement

Zentrale PKI, dokumentierter Lebenszyklus, rechtzeitige Rotation, Ersatzketten und Testzertifikate für Non-Prod

Autorisierung ERP

PFCG-Rollen mit Least-Privilege, Trennung Single/Composite Roles, Fiori-Kataloge nur rollenbasiert

Autorisierung CAFM

Rollenmodell nach Objektklasse, Aktivität und organisatorischem Geltungsbereich; Mapping auf ERP-Berechtigungsklassen

SoD / kritische Kombinationen

Trennung von Stammdatenpflege, Freigabe, Buchung, Reprocessing und Berechtigungsadministration

Transport- und Inhaltsverschlüsselung

TLS für Übertragung; zusätzliche Verschlüsselung ruhender Daten für besonders schutzbedürftige Felder projektspezifisch

Geheimnis-Management

Zugriffsdaten, private Schlüssel, Zertifikats-PSEs und API-Secrets nur in zentralem Secret-Store, kein Klartext in Interfaces

Auditierbarkeit

Jede fachlich relevante Mutation muss Benutzer-/Systemkontext, Zeitstempel und Korrelationsschlüssel enthalten

Sicherheitsereignisse

Anbindung an SIEM/SOC; Alarmierung bei wiederholten Auth-Fehlern, Queue-Stau, Reprocessing-Häufung, Berechtigungsfehlern

Die Berechtigungslogik ist in der ERP-Welt konsistent auf Rollen auszurichten: PFCG dient der Rollenpflege; der Zugriff auf Fiori-Kataloge und -Gruppen wird über PFCG-Autorisierungen kontrolliert; Business Roles entsprechen in der On-Premises-Logik PFCG-Rollen. Für Plant-Maintenance-bezogene Funktionen dokumentiert SAP Standard-Autorisierungsprüfungen für Anlegen, Ändern und Anzeigen von Wartungsobjekten. Damit ist eine saubere Trennung in fachliche Rollen, technische Kommunikationsrollen und Supportrollen ausdrücklich möglich und gefordert.

Compliance-Anforderung

Compliance-Anforderung

Lastenheft-Anforderung für Deutschland

DSGVO-Rechtsgrundlage

Für jede personenbezogene Verarbeitung ist die Rechtsgrundlage dokumentiert festzulegen; ohne tragfähige Rechtsgrundlage keine Produktivsetzung

Datenminimierung

Nur erforderliche Personen- und Nutzungsdaten in das jeweils andere System übertragen; fakultative Felder standardmäßig deaktiviert

Zweckbindung

Personen- und Beschäftigtendaten dürfen nur für klar definierte FM-/Betriebszwecke genutzt werden

Privacy by Design

Pseudonymisierung/Maskierung in Non-Prod; restriktive Default-Einstellungen; Protokolle ohne überflüssige Klardaten

Betroffenenrechte

Prozesse für Auskunft, Berichtigung, Löschung und Einschränkung müssen systemübergreifend definierbar sein

BDSG / Beschäftigtendaten

Bei Nutzer-, Organisations- und Bewegungsdaten mit Personenbezug ist das Beschäftigtendatenregime zu prüfen; Mitbestimmungsfragen frühzeitig adressieren

Protokollierung / Detektion

Logging- und Detektionsanforderungen nach BSI-Mindeststandard; Ereignisse kategorisieren, aufbewahren und auswerten

TLS / Kryptografie

Verschlüsselungsparameter und Chiffren nach aktueller TR-02102-2 des BSI

BCM / RTO-RPO

Zielwerte aus Business-Impact-Analyse gemäß BCM/BSI-Standard 200-4 ableiten

NIS-2

Falls das Unternehmen unter die deutsche NIS-2-Regulierung fällt, sind zusätzliche Sicherheits- und Meldepflichten umzusetzen

GoBD

Soweit Verträge, Belegbezüge, Freigaben oder revisionsrelevante Protokolle steuerlich oder handelsrechtlich relevant sind, ist GoBD-konforme Nachvollziehbarkeit sicherzustellen

AVV / Dienstleistersteuerung

Bei externer Projekt- oder Betriebsunterstützung sind Rollen von Verantwortlichem/Auftragsverarbeiter und Verträge eindeutig festzulegen

Die datenschutz- und sicherheitsrechtlichen Anforderungen sind in Deutschland nicht optional: Es müssen Verarbeitungen rechtmäßig, fair, transparent, zweckgebunden und minimiert erfolgen; nach Darstellung der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit gilt das Verbotsprinzip und Privacy by Design ist zentral. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik fordert aktuelle TLS-Standards sowie Mindestanforderungen an Protokollierung und Detektion; BCM-Anforderungen werden im BSI-Standard 200-4 konkretisiert. Für Deutschland ist zusätzlich zu beachten, dass das neue BSI-Gesetz zur NIS-2-Umsetzung seit Dezember 2025 gilt; ob die Regulierung greift, ist organisatorisch zu prüfen. Für steuerlich/revisionsrelevante elektronische Unterlagen sind die GoBD einschlägig.

Qualitätssicherung, Migration und Betrieb

Für die Zielarchitektur sind nicht-funktionale Anforderungen verbindlich zu definieren und zu messen. Gleichzeitig ist ein belastbares Test-, Migrations- und Betriebskonzept erforderlich. SAP selbst weist in den Operations Guides darauf hin, dass die Produktdokumentation ein tägliches Betriebshandbuch nicht ersetzt; für Betrieb und Monitoring sind deshalb projektindividuelle Runbooks, Alarmierungswege und Verantwortlichkeiten zwingend zu erstellen. Für Tests stehen je nach Landschaft Test Management in SAP Cloud ALM oder im Test Suite von SAP Solution Manager zur Verfügung; für PI-/PO-nahe Regressionstests existieren das PIT-Umfeld sowie die Testing-Funktionen im Umfeld der Integration Suite. Für Transitionen sind SAP Readiness Check und — bei ERP-zu-S/4HANA-Umstellungen — Data Transition Validation einschlägige Werkzeuge. Die Risiko- und Priorisierungslogik dieses Lastenhefts ist insbesondere an zwei extern begründeten Randbedingungen ausgerichtet: erstens den Wartungshorizonten von Business Suite/PI-PO und zweitens den verschärften deutschen Sicherheits- und Datenschutzpflichten einschließlich BSI-Anforderungen und — falls einschlägig — NIS-2.

Art

Kriterium

Messung / Nachweis

Fachliches Akzeptanzkriterium

Alle priorisierten Sollprozesse für Raum, Anlage, Auftrag, Inventar, Vertrag, Nutzer und Berechtigung sind im UAT erfolgreich nachgewiesen

UAT-Protokoll mit Freigabe der Fachbereiche

Fachliches Akzeptanzkriterium

Führungsobjekte und Änderungsberechtigungen je Domäne sind schriftlich beschlossen

Signiertes Governance-Dokument

Technisches Akzeptanzkriterium

Erfolgsquote produktionsnaher Integrationsfälle ≥ 99,5 % im Abnahmelauf

Testreport / Monitoring-Auswertung

Technisches Akzeptanzkriterium

Keine offenen P1-/P2-Defekte zum Go-live

Defektboard und Freigabebeschluss

Technisches Akzeptanzkriterium

Reconciliation-Abweichung in initialem Produktivload < 0,5 % je Objektklasse; Restabweichungen klassifiziert

Reconciliation-Report

Sicherheits-Akzeptanzkriterium

Keine kritischen Security Findings; Berechtigungsmodell und SSO freigegeben

Security-Abschlussbericht

Betriebs-Akzeptanzkriterium

Monitoring, Alarmierung, Runbooks, Zertifikatsregister und Supportübergabe vollständig

Betriebsübergabeprotokoll

Migrations-Akzeptanzkriterium

Mindestens eine erfolgreiche Cutover-Probe inkl. Backout-Test

Cutover-Protokoll

Formales Abnahmekriterium

Lenkungsausschuss bestätigt Zielerreichung, Restpunkteliste und Hypercare-Vorgehen

Abnahmeprotokoll

Formales Abnahmekriterium

SLA, Eskalation, Verantwortlichkeiten und Supportwege sind vertraglich fixiert

Betriebs- und SLA-Anlage

Die Abnahme gilt als erbracht, wenn fachliche Akzeptanz, technische Stabilität, Sicherheitsfreigabe und betriebliche Übernahme gleichzeitig vorliegen. Eine rein technische Inbetriebsetzung ohne freigegebene Governance zu Führungsobjekten, Berechtigungen, Monitoring und Reprocessing erfüllt die Anforderungen dieses Lastenhefts ausdrücklich nicht.