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CAFM ohne Schnittstelle zum Energiemanagementsystem

Facility Management: FM-Software » Schnittstellen » Energiemanagement » CAFM ohne Schnittstelle zum EMS

CAFM-System ohne EMS-Schnittstelle zur manuellen Erfassung von Energie- und Prozessdaten

Betrieb eines CAFM-Systems ohne EMS-Schnittstelle

Ohne direkte Datenschnittstelle zum Energiemanagement muss die Verbrauchserfassung im CAFM komplett organisatorisch ablaufen. Dabei werden Zählerstände in definierten Intervallen manuell abgelesen – oft durch Hausmeister oder technische Betreuungspersonal – und in vorbereitete Listen oder digitale Erfassungsbögen eingetragen. Diese Listen (Papierformulare, Excel-Tabellen o. Ä.) dienen als Übertragungsmedium: Anschließend werden die Zählerkennung und Zählerstände per Hand oder als CSV-/Excel-Datei ins CAFM eingegeben. Moderne CAFM-Systeme unterstützen explizit den CSV/Excel-Import von Verbrauchswerten, um genau solche manuellen Ableseprotokolle einzulesen. Auch mobile Handheld-Geräte mit Barcode-Scanner können vor Ort die Zählerkennung erfassen und den Zählerstand eingeben, um Fehler zu reduzieren.

Die rein manuelle Zählerstandserfassung ist zwar einfach umzusetzen, hat jedoch Nachteile: Sie bindet viel Zeit und birgt ein hohes Fehlerrisiko durch die doppelte manuelle Übertragung der Werte. Daher sind strikte Plausibilitäts- und Qualitätssicherungs­prozesse nötig. Im CAFM werden etwa nach jedem Datenimport Plausibilitätsprüfungen durchgeführt (z. B. Ausreißerprüfungen oder Vergleich mit Vorjahren). Ein audit­sicheres CAFM legt dabei für jede Änderung einen Audit-Trail an und erfordert eine Begründung für Wertekorrekturen, um Manipulationen auszuschließen.

Manuelle Erfassung und Übertragung von Energieverbrauchsdaten im CAFM ohne EMS-Integration

Teamkoordination zwischen CAFM und Energiemanagement

Um Inkonsistenzen zu vermeiden, arbeiten CAFM- und Energiemanagement-Team eng zusammen. Oft wird ein gemeinsames „Energieteam“ gebildet, in dem Facility Management, Energiemanager und Controlling zusammenarbeiten. Typischerweise liest das technische Facility Management (FM) die Zähler ab und gibt die Werte ins System ein, während das Energiemanagement die Verbrauchsdaten auswertet und Ausreißer überprüft. Das Controlling prüft die Wirtschaftlichkeit der energietechnischen Maßnahmen und überwacht Budgets, und Nachhaltigkeitsbeauftragte nutzen die Daten für CO₂-Auswertungen.

In regelmäßigen Abstimmungsrunden (z. B. monatliche Besprechungen oder quartalsweise Energie-Controlling-Meetings) gleichen die Teams ihre Daten ab. Das CAFM stellt in solchen Meetings Grafiken und Berichte über Ist- und Soll-Verbräuche bereit. Entscheidungen aus der Besprechung werden als Maßnahmen im System hinterlegt (etwa „Heizung optimieren“ oder „Beleuchtung umrüsten“) und anschließend nachverfolgt. Diese Treffen erfüllen damit auch die Anforderungen an das Management Review nach ISO 50001, da sie Planung, Umsetzung und Kontrolle (Plan–Do–Check–Act-Zyklus) verknüpfen. Ferner sollten klare Regeln definiert werden, dass jeweils nur ein System (meist das CAFM) als „Single Source of Truth“ für Energiekennzahlen gilt, um Widersprüche zu vermeiden.

Einheitliche Energiekennzahlen und Berichte

Ohne technischen Datenaustausch muss die Konsistenz der Energiekennzahlen organisatorisch sichergestellt werden. Hierzu dient ein sauberes Messkonzept: Alle Zähler (Strom, Wasser, Wärme, Kälte etc.) werden eindeutig nummeriert und einem Messnetz untergeordnet. Das CAFM sammelt anschließend alle validierten Verbrauchswerte zentral und verknüpft sie mit Gebäudebereichen, Kostenstellen oder Flächen. So entstehen konsistente Auswertungen: Beispielweise werden kWh/m²-Benchmarks berechnet und Kosten anteilig auf Mieter oder Abteilungen verteilt. Werden Verbrauchswerte in beiden Systemen (CAFM und EMS) geführt, sollte vermieden werden, dass Daten doppelt geführt werden. Stattdessen wird ein System (z. B. das CAFM) als führend definiert und die Werte aus dem anderen nur zur Plausibilisierung gelesen. Regelmäßiger Abgleich etwa über gemeinsame Tabellen verhindert bei der manuellen Übertragung Doppelarbeit und Widersprüche.

Maßnahmenmanagement und Energieaudits ohne Automatisierung

Auch Effizienzmaßnahmen und Audits können ohne automatischen Datenaustausch im CAFM organisiert werden. Praktisch hinterlegt man geplante Energiesparmaßnahmen im CAFM als Projekte oder Aufgaben mit erwarteten Einsparungen. Nach Umsetzung pflegt man die tatsächlichen Einsparungen (z. B. durch Vergleich vor/nach der Maßnahme) ein und prüft den Erfolg. Auf diese Weise dokumentiert das CAFM den Fortschritt. Ebenso kann das CAFM manuell gepflegte Audits unterstützen: Für interne oder gesetzlich geforderte Energieaudits (etwa nach DIN EN 16247 oder EDL-G) erzeugt man in der Regel Standardberichte über Verbrauch, Kosten und CO₂. Ohne Datenanbindung erstellt das Energiemanagementteam diese Reports direkt im CAFM oder einer Tabellenkalkulation anhand der übertragenen Verbrauchswerte. Ein strukturierter PDCA-Prozess (Plan–Do–Check–Act) wird dadurch sichergestellt: Der Zielerreichungsgrad (z. B. Einsparziele) wird anhand der erfassten Daten geprüft und gegebenenfalls neue Maßnahmen definiert.

Normative Anforderungen (ISO 50001, DIN EN 17267)

Auch ohne EMS-Anbindung müssen normative Vorgaben eingehalten werden. Die ISO 50001 verlangt ein strukturiertes Energiemanagement mit definierten Kennzahlen (z. B. kWh/m²) und Management-Reviews. Hier hilft es, das CAFM als zentrales Hilfsmittel zu nutzen: Es kann die erforderlichen KPIs berechnen und standardisierte Energieberichte nach ISO 50001/EED erzeugen. Die neue Norm DIN EN 17267 („Energiemessung und -überwachung“) definiert, wie ein Messplan zu erstellen ist. Das CAFM muss dementsprechend sicherstellen, dass Messpunkte (Zähler) systematisch erfasst werden und ein Messplan dokumentiert ist. Die Einhaltung von Eichfristen und Kalibrierungen wird protokolliert (oft per Erinnerung im CAFM). Durch solche organisatorischen Maßnahmen – klare Messkonzepte, Ablesepläne und Protokolle – können auch ohne automatische Schnittstelle die Nachweispflichten aus ISO 50001 und dem Energiedienstleistungsgesetz erfüllt werden.

Dokumentation und CO₂-Bilanzierung

Vollständige Dokumentation ist essenziell. Jedes manuelle Ableseprotokoll, jede Änderung der Verbrauchsdaten und jeder Interventionsschritt sollte im CAFM nachvollziehbar sein. Moderne CAFM-Systeme legen für jede Datenkorrektur Audit-Trails an: Jede Änderung eines Zählerstandes wird mit Begründung protokolliert und idealerweise freigegeben. Auch Eich- oder Kalibrierprotokolle der Zähler werden im System hinterlegt und mit Erinnerungen verwaltet. So lassen sich die gesetzlichen Nachweise jederzeit erbringen.

Für die CO₂-Bilanzierung nutzt man in der Regel die erfassten Verbräuche zusammen mit Emissionsfaktoren. Ein CAFM unterstützt dies, indem es CO₂-Emissionsberichte automatisch berechnet und im Nachhaltigkeitsbericht aufbereitet. Selbst bei fehlender Online-Anbindung ermöglicht das CAFM (bzw. ein begleitendes Excel-Tool) die Berechnung der Treibhausgasbilanz, indem man die Verbrauchsdaten aus CSV oder Tabellen übertragen lässt. Regelmäßige Auswertungen zeigen so den CO₂-Ausstoß je Gebäude oder für das gesamte Portfolio. Die Dokumentation aller Energieflüsse und Emissionen kann man zentral im CAFM oder einem begleitenden Berichtswesen pflegen, um Transparenz und Nachweis der CO₂-Reduktionen sicherzustellen.

Rollen und Verantwortlichkeiten

Klare Zuständigkeiten sind entscheidend. Typischerweise kümmert sich das Technische Facility Management um den Zählerbetrieb und das Auslesen: Hausmeister oder Anlagen­verantwortliche führen die Ablesung durch und pflegen die Daten ein. Das Energiemanagement (oft ein oder mehrere Energiemanager) analysiert Verbrauchswerte, identifiziert Einsparpotenziale und leitet Maßnahmen ein. Es fungiert als Schnittstelle zur Geschäftsführung und verantwortet das Energiemanagementsystem (ISO 50001). Das Controlling bewertet die Wirtschaftlichkeit von Energiesparmaßnahmen und überwacht die Budgets. Eine Nachhaltigkeits- oder Umweltabteilung kann die CO₂-Bilanzierung koordinieren; in kleinen Organisationen übernimmt dies oft der Energiemanager. Insgesamt sollten die Rollen so verteilt sein, dass jede Aktivität (Zählerablesung, Datenpflege, Analyse, Reporting) eine verantwortliche Person hat und die Übergaben zwischen FM, Energie- und Finanzabteilung organisiert sind.

Datensynchronisation via Excel/CSV und Papierverfahren

Ohne Schnittstelle erfolgt die Datenübertragung oft über einfache Formate. In der Praxis nutzt man Excel- oder CSV-Dateien als Vermittler: Der Ableser exportiert das Ableseprotokoll aus dem CAFM oder trägt es im CSV-Format, und der Energietechniker importiert diese Datei in sein System (oder umgekehrt). Viele CAFM-Lösungen bieten integrierte Import-Module, mit denen sich jährliche Verbrauchsmengen oder Messdaten per CSV in das System einlesen lassen. Auch zeitgesteuerte Exporte/Importe über Netzwerkordner oder E-Mail können eingerichtet werden, um manuelle Schritte zu reduzieren. Liegt nur Papier vor, werden diese Formulare zentral gesammelt und anschließend manuell oder per Scan/Erfassung ins CAFM übertragen. Durch diese Synchronisationsverfahren (Excel/CSV-Import oder Scannen) lässt sich letztlich ein konsistenter Datenbestand zwischen CAFM und Energiemanagement herstellen, auch wenn kein Echtzeitaustausch möglich ist.